7. Februar 2015

Mit CO2-Minderung koppeln

KWK-Novelle zur Deckung der Klimaschutzlücke nutzen

Die aktuelle Debatte zur Novellierung des KWKG ist vor allem von Erwartungen zur Absicherung notleidender Bestandsanlagen und der Ratlosigkeit zur Erfüllung des 25%-Ziels bis 2020 ohne Überschreitung des politisch vereinbarten Kostendeckels von 750 Mio. Euro geprägt. Dabei könnte doch gerade die gekoppelte Wärme- und Stromerzeugung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die 8%-Lücke zur Erfüllung des deutschen Klimaschutzziels (-40% THG bis 2020) zu schließen.

Tatsächlich offenbart sich aktuell bei der einfachen Forderung nach Erhöhung der KWK-Boni unabhängig von Treibhausgasminderungseffekten, welche konzeptionellen Defizite bei der Weiterentwicklung einer marktwirtschaftlichen und umweltfreundlichen Energieversorgung bestehen. Durch immer weiter zunehmende CO2-arme erneuerbare Strommengen verfallen bei den vorhandenen fossilen Überkapazitäten die Börsenpreise immer weiter. Sie sind für den Marktwert des in öffentlichen Anlagen erzeugten KWK-Stroms relevant. CO2-arme KWK-Technologien können damit keine attraktiven Investitionsobjekte mehr darstellen.

Allerdings machen die Analysen der KWK-Studie für das BMWi deutlich, dass über 90% des KWK-Stroms ohne Förderung des KWKG in den Markt gekommen sind und die bescheidenen Fortschritte im Ausbau von KWK-Anlagen in den letzten Jahren zu einem sehr großen Teil nur durch das EEG ermöglicht wurden. Gleichzeitig weisen sie nach, dass die seit 2012 bestehende Förderung von Speichern und Netzen wirksam ist und den Umbau zu einer dezentralen Energiewirtschaft vorantreibt. Bereits in zwei Jahren wird jedoch nur noch Auskömmlichkeit für Heizkraftwerke mit den höchsten spezifischen CO2-Emissionen ermöglicht. Hier ist also zuerst anzusetzen, wenn nicht Marktversagen durch weitere Strompreissteigernde Fördermittel ausgeglichen werden soll.

Die sehr sorgfältige Analyse für die wirtschaftlich möglichen Entwicklungen der öffentlichen KWK auf Basis von Nah- und Fernwärmesystemen zeigt, dass die Erfüllung des 25%-Ziels mit dem Ausbau um 50 TWh (rund 12,5 GW) Strom möglich ist. Die Klimaschonende Wirkung könnte damit um 77 Mio. t CO2 erhöht werden - also die Klimaschutzlücke fast schließen - und würde innerhalb der Anlagenlebenszeit nicht mit dem EE-Ausbau konkurrieren sondern mehr Systemsicherheit schaffen. Viel stärker sollte dabei noch in den Blick genommen werden, dass KWK-Ausbau ein Beitrag zur Wärmewende ist und mit Wärmespeichern einen preiswerten Ausgleich zu allen teuren Speichervarianten darstellt. Erhöhen lässt sich dieser Effekt, wenn der Ausbau der KWK vor allem mit CO2-ärmeren Energieträgern erfolgt.

Würde also künftig von KWK-Boni ausgegangen, die noch mit der CO2-Minderungswirkung zu multiplizieren sind, statt unabhängig von der Treibhausgaswirkung der verwendeten Brennstoffe zu fördern, könnte der notwendige finanzielle Mehrbedarf für den energiewirtschaftlich mittelfristig notwendigen KWK-Ausbau als Klimaschutzkosten verbucht werden.

7. Mai 2014

sauber und sicher

Für das erste Viertel der erneuerbaren Stromversorgung konnten wir ausschließlich auf Menge setzen. Jede kWh zählte. Für das zweite Viertel sollten wir uns klar machen, dass es auch darum geht, Kunden dann sauberen Strom anbieten zu können, wenn Sie ihn brauchen. Das setzt Verläßlichkeit voraus, die etwas mit Speicherfähigkeit zu tun hat. Fossile Energiesysteme bringen dies per se mit. Preiswerten PV- oder Windstromsystemen fehlt diese Eigenschaft. Sie entsteht erst durch kostspielige Speicher. Biostrom bringt diese Eigenschaft mit und ist deshalb ein unverzichtbares Element in einem sicheren erneuerbaren Energiesystem.

Wir haben dazu für den Bundesverband Bioenergie und den Fachverband Biogas einen kleinen Film produziert, der vor allem bei Gesprächen mit Abgeordneten helfen soll. Ein Textheft liegt auch vor.

In den kommenden Wochen der parlamentarischen Debatte über die EEG-Novelle des Wirtschaftsministers wird es darum gehen die Frage zu beantworten, ob wir Sicherheit nur durch Kohlekraftwerke schaffen wollen. Eigentlich paßt das nicht zu unserer Entscheidung ein nachhaltiges Energiesystem aufzubauen.

Ein Deckel ist ein völlig ungeeignetes Element für die politische Steuerung dieses Segments einer sauberen Energiewirtschaft. Von heute rund 8.000 MW müssen wir Kapazitäten bis zu 40.000 MW aufbauen, ohne dafür fünf mal mehr Biomasse zu verbrauchen. Biostromanlagen sollen nämlich tun, was sie können, durch Flexibilität ausgleichen, was PV und Wind nicht können. Nur gemeinsam entsteht ein sicheres Versorgungssystem.

Dafür brauchen wir jetzt eine Verbesserung der Vergütung für die Flexibilisierung neuer Biostromanlagen und eine ausreichende Grundvergütung für kleine und große Anlagen, die zwingend ökologische Aspekte der Rohstoffbeschaffung einschließt.

17. April 2014

EEG-Novelle - noch grundlegender Reformbedarf

314 Seiten füllt der Entwurf eines Gesetzes zur grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und zur Änderung weiterer Bestimmungen des Energiewirtschaftsrechts, der vom Bundeskabinett am 8.April verabschiedet wurde. Grundlegend ist daran, dass der dynamische Ausbau der Erneuerbaren Energien durch den Ausbaukorridor (40-45% EE-Strom bis 2025) abgebrochen und konkret um 60 TWh bis 2020 vermindert wird. Die CO2-Bilanz Deutschlands, die ohnehin ihr Einsparziel von 40% bis 2020 kaum noch erreichen kann, wird damit gleichzeitig um 57 Mio. Tonnen weniger entlastet.

Grundlegend ist daran auch, dass im Blick auf eine Europäische Vermittelbarkeit des Deutschen Nachhaltigkeitsweges Ausschreibungsverfahren ab 2017 zum Regelfall der Finanzierungsmechanismen werden sollen, ohne dass es bisher irgendeinen Nachweis für die Kostenwirksdamkeit dieses Verfahrens gibt. Tragisch ist demgegenüber, dass es für den Wunsch deutscher Stromkunden, direkt mit Erneuerbarem Strom beliefert zu werden und das eigene Bezugsverhalten auch partiell, kostenwirksam an die Erzeugungsstrukturen anzupassen, keine neuen Mechanismen gibt sondern nur den Abbruch des sog. Grünstromprivilegs. Eine Vermischung von börsengehandelten, klimabelastenden, fossilen Stromangeboten mit klimaneutralen, erneuerbaren Stromangeboten wird weiter kostentreibend fortgesetzt, ohne zu einer wirklichen Kundenorientierung der erneuerbaren STromerzeugung beizutragen.

Die fluktuierenden Erneuerbaren Energieanlagen PV und Wind sollen wegen ihrer vermeintlich geringen Kosten weiter ausgebaut werden und die Sicherheit schaffende Biostromerzeugung soll mit einer marginalen Grundvergütung endgültig ausgebremst werden. Die Öffentlichkeit folgt dem Wirtschaftsminister weitestgehend mit Zustimmung und verkennt die Absicherung der Kohleindustrie und die noch weiter erhöhte Entlastung des produzierenden Gewerbes als industriepolitischen Erfolg, der sich aber gegen die Branche der erneuerbaren Energien mit fast 400.000 Arbeitsplätzen und die Strukturentwicklung ländlicher Räume richtet.

Bereits mit dem EEG 2012 sind maßgebliche Kostensenkungen für die durchschnittliche Einspeisevergütung für neue Anlagen erzielt worden. Das Ziel der Kostenreduzierung von 17 Ct/kWh auf 12 Ct/kWh wurde mit 12,7 Ct/kWh bereits fast erreicht.

In der politischen Auseinandersetzung ist jetzt die Stunde der Abgeordneten angebrochen. Sie müssen entscheiden, ob der Entwurf den Weg in eine sichere erneuerbare Energieversorgung unterstützt. Die Bundesländer haben gegenübner der Bundesregierung bereits weitergehende Interessen aus ihren regionalen Besonderheiten deutlich gemacht und partiell auch durchgesetzt. Die Abgeordneten werden die weitergegangene Reflektion über die Prinzipien der grundlegenden EEG-Reform zur Grundlage ihres Abstimmungsverhaltens machen, dass sich weniger an der politischen Großwetterlage sondern mehr an den Interessen ihrer Wähler vor Ort orientieren sollte. Viele sind bereits Investoren und Nutznießer der neuen dezentralen Form der Energiebereitstellung geworden.

Fakten zur eigenen Information finden Sie hier.

3. März 2014

Von Bayern lernen?

Und wieder macht sich Bayern mit seiner vermeintlichen Sonderrolle bemerkbar. Nun soll es doch keine neue Stromtrasse geben, obwohl sie früher mitbeschlossen wurde. Natürlich wittern wir Populismus, wenn Bürger zur Stimmabgabe gewonnen werden sollen, die von den Trassenplänen unmittelbar betroffen sind. Aber könnte es nicht auch sein, dass die Pläne des Netzausbaus eben auch interessengeleitet für Investitionen im Norden und den Transport von billigem Braunkohlestrom in die Verbrauchszentren des Südens entstanden, und jetzt die Erkenntis wächst, dass angepaßte Lösungen vor Ort unnötige Investitionen vermeinden könnten?

Bayern ist das größte Bundesland mit einem Fünftel der Bundesfläche. Es verfügt zudem über die größten Naturressourcen Deustchlands mit fast 60.000 km² land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche. Von den 2012 installierten 70.600 MW EE-Stromanlagen befanden sich deshalb auch 17,3% in Bayern, die 16,3% des EE-Stroms erzeugten, alleine 35% aus Bioenergie.

Bayern ist wegen seines enorm hohen Anteils von zentralen Kernkraftwerken (49% des Stromabsatzes und 38% der installierten Leistung von 14.600 GW) prädestiniert und herausgefordert die Transformation zur dezentralen Energieversorgung innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums von knapp einem Jahrzehnt zum eigenen Vorteil zu organisieren. Dafür kann es für die Zukunft noch 35% seiner energetisch nutzbaren Forstressourcen in Höhe von 13.800 GWh erschließen und daraus 4.800 GWh Strom und 6.700 GWh Wärme erzeugen. Im Bereich der LW-Flächen für den Non-Food-Bereich besteht noch ein Potenzial, das für 3.050 Biogasanlagen á 308 kW (aktueller Durschschnitt von 2.281 Anlagen) Futter bietet und damit insgesamt 7.500 GWh Strom sowie 7.900 GWh Wärme liefern kann. Die aktuelle Strommenge aus Biomasseanlagen kann so noch einmal um fast das Doppelte erhöht werden (5.500 GWh) und 14% des Bayerischen Stromverbrauchs erreichen.

Bisher sind mit der dena-Netzstudie für Bayern Gesamtkosten des Netzausbaus für alle drei Spannungsebenen von 4,7 Mrd. € (17% von D) ermittelt worden. Würden die dynamischen Ausbauziele der Bundesländer weiter verfolgt, hatte die dena-Studie für Bayern Ausbaukosten von 7,2 Mrd. Euro ermittelt. Die installierte Leistung von Wind könnte dann 5,4 GW und von PV 12,8 GW erreichen. Mit durchschnittlichen Jahresvollbenutzungsstunden (Wind:1.800, PV:950) ergäben sich daraus 21,2 TWh Strom, was 23,8% des heutigen Stromverbrauchs entspricht. Zusammen mit den anderen 2012 vorhandenen Quellen könnten dann 46% der heutigen Erzeugung entstehen.

Ganz im Südwesten Bayerns ist auch ein sehr innovatives regionales Versorgungsunternehmen, die Allgäuer Überlandwerke, aktiv. 193.500 Einwohner sind im zugehörigen Netzgebiet in der Region um Kempten zu Hause. Insgesamt wurden dort bis Ende 2012 bereits 36% (395 GWh) erneuerbarer Strom eingespeist. Mit 196 GW je km² Netzgebiet liegt die Größenordnung der installierten Leistung fast beim deutschen Durchschnitt des Jahre 2012 von 189 GW/km². Als Ausbauziel ist eine Verdopplung bis 2020 vorgesehen. Im Rahmen einer regionalen Netzausbaustudie konnte kürzlich festgestellt werden, dass je nach Strategie zwischen 200 und 57 Mio. € für die Entwicklung der verschiedenen Netzstufen erforderlich wären. Mit der optimalen Ausbaustrategie, die auf große PV-Anlagen und die direkte, gezielte Einspeisung in das Hoch- bzw. Mittelspannungsnetz setzt, könnte gegenüber dem dena-Szenario 33% weniger Netzausbaulänge und eine Kostenreduzierung um 40% erreicht werden.

Also von Bayern lernen...

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18. Februar 2014

Versorgungssicherheit durch Bio-KWK

Das Eckpunktepapier zum EEG und die darauf fußenden Referentenentwürfe haben bisher keine Entwarnung für die Biostrombranche ergeben. Das kleine Adjektiv "überwiegend", das mit Hilfe der Bayerischen Schwesterpartei in den Koalitionsvertrag gelangte, fand bisher keine Entsprechung in den Detailregelungen des Reformvorhabens. Haben die Umweltverbände, die sich für das Unwort der "Maiswüsten" feiern, übersehen, dass neben den wetterabhängigen, fluktuierenden Erneuerbaren Stromquellen auch regelbare erforderlich sind, wie es IZES im Jahr 2013 mit seiner Kompassstudie grundlegend gezeigt hat?

Mit unseren jetzigen Reformen müssen wir uns doch an einer realisierbaren Konzeption zur wirtschaftlichen und naturverträglichen Machbarkeit eines möglichen Systems mit 100% erneuerbaren Energien orientieren. Fluktuierende Quellen benötigen zusätzliche, kostspielige Speicher, wenn sie Strom dann liefern sollen, wenn wir ihn gerade brauchen. Biostrom schließt diese Speichermöglichkeitg bereits grundsätzlich in Form gespeicherter Sonnenenergie ein.

Die Nutzung von Bioenergie hat in der zurückliegenden Dekade einen starken Wandel in der öffentlichen Meinung vom anerkannten Substitut jedweder fossiler Energie zur vielgescholtenen Ursache globaler Probleme wie Hunger und Armut und Naturzerstörung durchlaufen. Ohne Zweifel haben die Randbedingungen des EEG in spezifischen Regionen Deutschlands zu landwirtschaftlichen Fehlentwicklungen geführt. Aber die EEG-Novelle 2012 hat darauf bereits in umfassendem Maß reagiert und zu einem massiven Einbremsen des Biostromausbaus geführt. Werden damit aber Impulse in Richtung einer naturverträglicheren Landwirtschaft und Chancen für wachsende Wertschöpfung im ländlichen Raum geschaffen?

Fraunhofer IWES und Partnerhaben im Kombikraftwerk II-Projekt unter Verwendung detaillierter, jahreszeitlicher, raum- und netzorientierter Daten berechnet, dass ein jederzeit lieferfähiges Stromsystem für alle angenommenen Zeitpunkte und Strombedarfe nur insgesamt 60 TWh Stromerzeugung aus Biomasse (+50% zu heute) benötigt, um die verbleibenden Lücken der fluktuierenden Erzeugung kostengünstig zu füllen. Das sind weniger als 10 % des deutschen Strombedarf von 630 TWh. Netzstabilität und Versorgungssicherheit erfordern dafür eine dezentral verteilte Kapazität von 42 GW elektrische Leistung aus Biomasse, gegenüber den heutigen 7,6 GW eine erhebliche Steigerung, aber eben keine massive zusätzliche Belastung unserer Agrarstruktur, weil die Anlagen nur noch 20-25% der heutigen Laufzeiten durch Flexibilisierung erreichen sollen.

Biomassebasierte KWK-Anlagen bieten den zusätzlichen Vorteil, dass sie erneuerbare Wärme liefern können. Damit können sie wesentliche Kostenreduzierungen erreichen, wenn die Wärme marktgerecht verkauft werden kann. Im Rahmen der EEG-Novelle ist also zu berücksichtigen, dass sie diesen Vorteil weiter ausspielen können, und das Potenzial für viele weitere Bioenergieorte im ländlichen Raum Deutschlands nicht aufgegeben wird.

Ein dazu mit dem BN-Bayern abgestimmtes Papier finden Sie hier.